Das größte Gefängnis in Niedersachsen ist die JVA Hannover.
Fast 900 Haftplätze hat die Anstalt, jährlich werden hier ca. 12.000 Menschen aufgenommen und wieder verlegt oder entlassen.
Hannover ist etwas Besonderes. Kein Gefängnis in Niedersachsen ist so riesig, mit derart vielfältigen Aufgaben wie diese Anstalt.
Die Hauptanstalt mit 10 Vollzugsabteilungen ist seit 1963 in Betrieb. Hier findet sich beispielsweise die größte Untersuchungshaftabteilung des Landes. Bei durchschnittlich 70 Neuzugängen pro Monat werden allein in dieser Abteilung jährlich ca. 840 männliche Inhaftierte aufgenommen. Der Anteil von deutschen und ausländischen Inhaftierten beträgt jeweils 50 %. 48 Haftplätze stehen zusätzlich für die Untersuchungshaft von Frauen zur Verfügung. Die Zuständigkeit erstreckt sich auf insgesamt 42 Amtsgerichtsbezirke des Landes Niedersachsen – wieder ein Rekord.
Die Transportabteilung schickt jeden Tag drei große Gefangenentransportbusse auf die Straße. Jedes Jahr bringen diese Busse fast 20.000 Menschen an ihren Bestimmungsort. Diese justizeigenen Buslinien haben einen Aktionsradius von Friesland bis Kassel und legen in einem Jahr über 250.000 km zurück.
In der Einweisungsabteilung werden gefährliche Strafgefangene, die wegen eines Tötungsdelikts oder einer Sexualstraftat verurteilt worden sind, durch ein Team von Psychologen, Pädagogen und Juristen begutachtet und in die für sie zuständigen Anstalten in Niedersachsen eingewiesen. Umfangreiche Diagnostik, ausführliche Explorationsgespräche sowie eine Vielzahl von testpsychologischen Untersuchungen zeichnen ein verlässliches Bild des Gefangenen und seiner Straffälligkeit bereits zu Beginn der Inhaftierung und stellen frühzeitig die richtigen Weichen.
Ziel ist immer, mit geeigneten Behandlungsmaßnahmen das Rückfallrisiko zu senken und weitere Opfer zu vermeiden.
Auch eine Abteilung für psychiatrisch auffällige Gefangene und solche, die auf ihre unmittelbar bevorstehende Entlassung vorbereitet werden, sind neben den Strafhaftabteilungen im ältesten Gebäudeteil untergebracht.
In einer kleinen Sicherheitsabteilung werden einige der gefährlichsten Straftäter Niedersachsens streng bewacht.
1987 wurde die Abteilung Rehagen, in der 192 Gefangene untergebracht sind, eröffnet. In dieser, in drei Hafthäuser aufgeteilten, Abteilung finden sich Gefangene, die Umschulungsmaßnahmen absolvieren, aber auch die Klienten der Sozialtherapie und die Neuzugänge für die Aufnahmeabteilung.
Im Jahr 2000 wurde die Abteilung Langenhagen, die ursprünglich als Abschiebungshaft vorgesehen war, mit 171 Haftplätzen eröffnet. Dort befinden sich heute neben den männlichen und weiblichen Abschiebungsgefangenen, Strafgefangene, die eine kurze Freiheitsstrafe verbüßen.
In die Haltenhoffstraße werden die Gefangenen, die für den Offenen Vollzug geeignet sind, verlegt. Es gibt dort für Männer und Frauen, die lediglich die Nacht in "ihrer" Vollzugsabteilung verbringen, 69 Plätze.
Die Strafhaft ist geprägt durch Behandlung und Arbeit. Neben der Sozialtherapie werden delikt- und persönlichkeitsspezifische Maßnahmen, wie beispielsweise das Soziale Training, das Projekt "Alternativen zur Gewalt", die therapeutische Ambulanz und Gruppengespräche für aggressive Straftäter, angeboten.
Ein paar Zahlen machen die Dimensionen deutlich:
Um die Kontakte zu den Angehörigen zu fördern, ermöglichen die Mitarbeiter der Anstalt jährlich 9000 Besuche. Die Küche bereitet jährlich 1 Million Mahlzeiten zu. In der anstaltseigenen Wäscherei werden jeden Tag 1000 kg Wäsche gewaschen und gebügelt. Fast 1 Million Euro muss die Anstalt jährlich für Energiekosten aufbringen.
Gefangene sind zur Arbeit verpflichtet. Wie sieht nun aber der "Arbeitsmarkt" im Gefängnis aus? Die JVA Hannover ist eine zentrale Ausbildungsstätte des Landes Niedersachsen. Ausbildungen, Lehrgänge und Umschulungen finden hier statt. Neben Ausbildungsgängen zum Elektroinstallateur, Metallbauer und Orthopädieschuhmacher werden auch Ausbildungen zum Koch oder Tischler angeboten. Die Prüfungen werden vor der Industrie- und Handelskammer abgelegt. Gleichermaßen können Sonderschulabschlüsse, Hauptschulabschlüsse bis hin zum Realschulabschluss der Berufsfachschule Technik erworben werden. Selbst ein Fernstudium wird ermöglicht, wenn es neben der verpflichtenden Arbeit stattfindet.
Wenn die zu verbüßende Strafzeit nicht ausreicht, können in Ausbildungsmodulen Kenntnisse über Garten- und Landschaftsbau oder der Gebäudereinigung erworben werden.
Büromöbel und Metallarbeiten, wie z. B. Grills und Treppengeländer, stellt die JVA in eigenen Betrieben her.
Daneben werden in vielfältigen Produktionsbetrieben Auftragsarbeiten nach Kundenwunsch, Vorfertigung für Produktion oder Endmontage, Klebearbeiten, Sortierarbeiten bis hin zur Komplettierung und Zusammenstellung von Sortimenten jeglicher Art erledigt. Niedergelassene Unternehmen stellen ihrem "Subunternehmer JVA" sowohl Material als auch Maschinen zur Verfügung, die JVA sorgt für Arbeitskräfte und deren Beaufsichtigung. Erfahrenes und engagiertes Personal garantiert dabei fachliche Anleitung und Aufsicht, für sich genommen zwar selbstverständlich, in einer so großen und vielfältigen Anstalt tatsächlich aber eine besondere Herausforderung. Denn die JVA Hannover, wie alle anderen niedergelassenen Betriebe, muss sich produkt- und leistungsorientiert am Markt behaupten, kann sich aber die "Arbeitnehmer" nicht aussuchen.
Der Mikrokosmos Hannover ist nicht immer einfach – nicht für Gefangene, nicht für Bedienstete. Aber mit nichts zu vergleichen. ….